Spread Solidarity: Gegen Homo- & Trans*feindlichkeit!

Solidarisierung des Autonomen Schwulenreferats zur Stellungnahme der SJ – Die Falken Marburg.

In Zeiten in denen staatliche Repressionen zunehmen und linke Räume akut bedroht oder verdrängt werden, ist es umso wichtiger das Wir zusammen zu stehen und uns gemeinsame(!) linke Räume erhalten und verteidigen. Als Schwulenreferat stehen wir für eine Gesellschaft in der wir ohne Angst verschieden sein können. Dazu gehört für uns die Solidarität gegen staatliche Eingriffe und Verdrängung ebenso wie die Verteidigung gegen homo- und trans*feindliche Angriffe.

Das Autonome Schwulenreferat ist entsetzt über die offene Homo- und Trans*feindlichkeit, die sich in einem Veto-Schreiben eines Bewohners vom Bettenhaus anlässlich der Veranstaltung mit Babsida de Kuku im Rahmen der Stonewall-Woche in Marburg im Zusammenhang mit dem Christopher Street Day geäußert hat. In einem linken Wohnprojekt, in dem auch Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und Inter ohne Angst ein Zuhause haben können müssen, ist es unerträglich, dass solche Aussagen Räume verschließen und für gemeinsame Aktivitäten zerstören. Das macht uns traurig und wütend.

In einer Mail schreibt der Urheber des Vetos etwa von „bürgerlich opportunistischen und vereinnahmenden Schwulen und Lesben“ die ihmzufolge anderen Minderheiten – vornehmlich Trans*- und Inter-Personen – die Gelder wegnehmen würden (konkreter dem Autonomen InterTrans*-Referat, aber auch anderen Geldtöpfen). Seine Schlussfolgerung daraus lautet, dass Inter- und Trans*-Personen Raum und Ressourcen „an die Falken und die SchwulenLesben verloren“ hätten und man „diesen Menschen“ daher keine Räume zur Verfügung stellen dürfe; stattdessen sollen an dem Tag dort Veranstaltungen stattfinden, „die für die, die kein Mitspracherecht haben, etwas bringen”. Die Falken Marburg machen in ihrer Initiative klar, dass es sich bei dem Urheber des ‚Vetos‘ um dieselbe Person handelt, die seit einigen Jahren uns und Einzelpersonen aus unserer Struktur, sowie andere Strukturen, aber insbesondere auch das Autonome InterTrans*Referat öffentlich angreift und diffamiert, von uns gebuchte Referent*innen für Veranstaltungen kontaktiert und uns ihnen gegenüber diffamiert, und so an vielen Stellen Arbeit erschwert und verunmöglicht.

Wir müssen uns gemeinsam gegen derartige Gewalt zur Wehr setzen und solidarisieren uns daher mit den Initiative der SJ – Die Falken Marburg und bieten an die Veranstaltung gemeinsam durchzuführen und ggf. einen alternativen Veranstaltungsort bereit zu stellen. Gleichzeitig hoffen wir, dass sich die Bewohner*innen des Bettenhauses, als selbsterklärten linken Hausprojekt solidarisch mit uns gegen Homo- und Trans*feindlichkeit stellen und die Veranstaltung wie geplant in der Rakete stattfinden kann. Wir erwarten, dass ein heteronormativitätskiritischer Konsens auch in eine konkrete Praxis übersetzt wird!

Gleichzeitig stehen wir solidarisch, unserem eigenem Anspruch folgend, mit dem Bettenhaus und seinen Bewohner*innen gegen schockierende und überraschende Hausdurchsuchungen sowie die Bedrohung linker Räume. Wir unterstützen die Hausgemeinschaft bei ihrer Distanzierung vom Sachverhalt sowie den beschlagnahmten Gegenständen und der transparenten und offenen Aufarbeitung.

Wir fordern, auch von der breiten linken und queeren Öffentlichkeit, Solidarität mit den SJ – Die Falken Marburg, gegen Homo- & Transfeindlichkeit. Für gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist in Marburg kein Platz, gerade nicht in linken Hausprojekten. Deshalb müssen wir Schulter an Schulter in Ausnahmesituationen unterstützen und gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit einstehen.

 

Auf Inititative der Mitgliederversammlung des Autonomen Schwulenreferates
Marburg, den 17. Juni 2019.

Werbeanzeigen

Statement: Marginalisierte Gruppen unter Beschuss: LHG und RCDS greifen autonome Referate an

In der nächsten Woche finden Hochschulwahlen statt. In der Wahlzeitung lassen sich in den Forderungen zweier hochschulpolitischer Gruppen – dem RCDS und der Liberalen Hochschulgruppe – Punkte finden, die vor allem mit rechtspopulistischen Phrasen auffallen und darüber die Arbeit autonomer Referate angreifen, diskreditieren und in Frage stellen. Das gibt uns Anlass dazu, Stellung zu beziehen.

Der RCDS, welcher sich nach eigener Aussage „zu christdemokratischen, konservativen und liberalen Werten” bekennt, fordert beispielsweise „die Abgrenzung der Hochschulpolitik von Allgemeinpolitik”, also eine Entpolitisierung der Hochschulpolitik. Es ist unschwer erkennbar, wie sehr Allgemein-, Stadt- sowie Hochschulpolitik miteinander zusammenhängen. Ein AStA, der sich nicht einmischt, wird seinem Zweck nicht gerecht. Zweifelhaft erscheint auch die Forderung zum „Erhalt der freien Diskussionskultur ohne übertriebene politische Korrektheit”. Was damit gemeint sein soll und wo der RCDS diese zu finden meint, bleibt unklar.

Der RCDS steht auch für „eine restriktivere Vergütung autonomer Referate” und schreibt sich auf die Fahne, eine angebliche „AStA Geldverschwendung stoppen” zu wollen. Die autonomen Räume im AStA und auch das intersektionale black_poc feministische Archiv sind erkämpfte Räume marginalisierter Gesellschaftsgruppen. Eine Kürzung der finanziellen Mittel ist eine Existenzbedrohung für die einzigen Räume dezidiert feministischer, und LGBTI-politischer Arbeit in Marburg.

Obwohl der RCDS in der Hälfte aller Forderungen studentische Kultur einschränken möchte, spricht er sich an späterer Stelle plötzlich für „den Erhalt studentischer Traditionen und Kultur” aus. Was unter ‚Tradition‘ verstanden wird, macht ein Blick auf die Listenkandidaten deutlich. Mindestens 50% sind in männerbündischen Studentenkorporationen aktiv. Nebst zwei Aktiven aus dem Verbindungshaus der ATV Marburg findet sich ein Korporierter der Marburger Burschenschaft Arminia. Während sich die ATV hauptsächlich aufs Saufen und Turnen unter Männern konzentriert, wird sich bei der Marburger Burschenschaft Arminia noch ganz traditionsbewusst gegenseitig das Gesicht mit scharfen Waffen demoliert. Die Arminia ist Gründungsbund der Neuen Deutschen Burschenschaft, einem nationalistischen Dachverband für Männerbünde.

Auch die Liberale Hochschulgruppe, kurz LHG, unterscheidet sich in ihren Forderungen selten vom RCDS.

Die LHG macht die angebliche Geldverschwendung besonders an den Minderheiten im AStA fest – genauer gesagt an, so gar nicht existenten, „5 LGBT-Referaten”. Derlei Argumente einer angeblich durch die schrille Minderheit unterdrückten Mehrheit (die ‚virulente Homolobby‘, die den ‚deutschen Volkskörper‘ unterdrückt) folgen derselben Logik, die im Zuge der Einführung von Antihomosexuellenparagraphen in Russland und anderen Ländern bedient wurde und ist anschlussfähig an Argumente des ultrarechten evangelikalen Flügels der AFD und darüber hinaus.

Die LHG fordert dafür aber einen „schlankeren AStA, der niedrigere Semesterbeiträge verlangt”– und zwar eben auf Kosten der Referate, die Interessenvertretung und Freiraum marginalisierter Minderheiten und Frauen* sind. Die Formulierung der „5 LGBT-Referate” lässt die Referate überflüssiger erscheinen, als eine Beschreibung der Realität der Referate es erreichen würde.

Es liest sich wie blanke Ignoranz, wenn so getan wird, als seien Autonome Referate intransparent. Das Autonome Schwulenreferat etwa finanziert als einzige schwule Struktur in ganz Mittelhessen mit einem Jahreshaushalt von gerade mal 6000€ ein umfangreiches Programm, welches in weiten Teilen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich ist. Es leistet Beratung, bietet Unterstützung bei thematischen wissenschaftlichen Arbeiten und stellt eine Bibliothek zur Verfügung, macht Antidiskriminierungsarbeit und ist basisdemokratisch organisiert.

Man kann der LHG bestenfalls Inkompetenz und schlimmstenfalls homophobe Agitation und gezielte Falschinformation vorwerfen. Für sie ist ein „AStA für Alle“ eine AStA ohne emanzipatorische Minderheitenpolitik.

Auch auf der Liste der LHG steht ein Korporierter. Dieser entstammt dem Verein Deutscher Studenten, einer Struktur, deren Gründung durch Antisemitismus angestoßen wurde.

Mit diesen Gruppen ist der Weg in die extreme Rechte schon längst geebnet.

Darum rufen wir alle Student*innen auf: solidarisiert euch mit den autonomen Referaten, informiert euch über die anstehenden Hochschulwahlen und wählt Listen, die die autonomen Referate unterstützen und sich gegen die rückwärtsgewandte Politik von RCDS und LHG stellen. Für eine Hochschule an der wir uns alle wohl fühlen können und nicht Einzelne meinen, alle zu sein.

Für eine solidarische Gesellschaft! Für mehr Freiräume! Für mehr Sichtbarkeit von Frauen* und Minderheiten! Gegen jede Form der Diskriminierung!

Autonomes Schwulenreferat im AStA Marburg.