Statement: Marginalisierte Gruppen unter Beschuss: LHG und RCDS greifen autonome Referate an

In der nächsten Woche finden Hochschulwahlen statt. In der Wahlzeitung lassen sich in den Forderungen zweier hochschulpolitischer Gruppen – dem RCDS und der Liberalen Hochschulgruppe – Punkte finden, die vor allem mit rechtspopulistischen Phrasen auffallen und darüber die Arbeit autonomer Referate angreifen, diskreditieren und in Frage stellen. Das gibt uns Anlass dazu, Stellung zu beziehen.

Der RCDS, welcher sich nach eigener Aussage „zu christdemokratischen, konservativen und liberalen Werten” bekennt, fordert beispielsweise „die Abgrenzung der Hochschulpolitik von Allgemeinpolitik”, also eine Entpolitisierung der Hochschulpolitik. Es ist unschwer erkennbar, wie sehr Allgemein-, Stadt- sowie Hochschulpolitik miteinander zusammenhängen. Ein AStA, der sich nicht einmischt, wird seinem Zweck nicht gerecht. Zweifelhaft erscheint auch die Forderung zum „Erhalt der freien Diskussionskultur ohne übertriebene politische Korrektheit”. Was damit gemeint sein soll und wo der RCDS diese zu finden meint, bleibt unklar.

Der RCDS steht auch für „eine restriktivere Vergütung autonomer Referate” und schreibt sich auf die Fahne, eine angebliche „AStA Geldverschwendung stoppen” zu wollen. Die autonomen Räume im AStA und auch das intersektionale black_poc feministische Archiv sind erkämpfte Räume marginalisierter Gesellschaftsgruppen. Eine Kürzung der finanziellen Mittel ist eine Existenzbedrohung für die einzigen Räume dezidiert feministischer, und LGBTI-politischer Arbeit in Marburg.

Obwohl der RCDS in der Hälfte aller Forderungen studentische Kultur einschränken möchte, spricht er sich an späterer Stelle plötzlich für „den Erhalt studentischer Traditionen und Kultur” aus. Was unter ‚Tradition‘ verstanden wird, macht ein Blick auf die Listenkandidaten deutlich. Mindestens 50% sind in männerbündischen Studentenkorporationen aktiv. Nebst zwei Aktiven aus dem Verbindungshaus der ATV Marburg findet sich ein Korporierter der Marburger Burschenschaft Arminia. Während sich die ATV hauptsächlich aufs Saufen und Turnen unter Männern konzentriert, wird sich bei der Marburger Burschenschaft Arminia noch ganz traditionsbewusst gegenseitig das Gesicht mit scharfen Waffen demoliert. Die Arminia ist Gründungsbund der Neuen Deutschen Burschenschaft, einem nationalistischen Dachverband für Männerbünde.

Auch die Liberale Hochschulgruppe, kurz LHG, unterscheidet sich in ihren Forderungen selten vom RCDS.

Die LHG macht die angebliche Geldverschwendung besonders an den Minderheiten im AStA fest – genauer gesagt an, so gar nicht existenten, „5 LGBT-Referaten”. Derlei Argumente einer angeblich durch die schrille Minderheit unterdrückten Mehrheit (die ‚virulente Homolobby‘, die den ‚deutschen Volkskörper‘ unterdrückt) folgen derselben Logik, die im Zuge der Einführung von Antihomosexuellenparagraphen in Russland und anderen Ländern bedient wurde und ist anschlussfähig an Argumente des ultrarechten evangelikalen Flügels der AFD und darüber hinaus.

Die LHG fordert dafür aber einen „schlankeren AStA, der niedrigere Semesterbeiträge verlangt”– und zwar eben auf Kosten der Referate, die Interessenvertretung und Freiraum marginalisierter Minderheiten und Frauen* sind. Die Formulierung der „5 LGBT-Referate” lässt die Referate überflüssiger erscheinen, als eine Beschreibung der Realität der Referate es erreichen würde.

Es liest sich wie blanke Ignoranz, wenn so getan wird, als seien Autonome Referate intransparent. Das Autonome Schwulenreferat etwa finanziert als einzige schwule Struktur in ganz Mittelhessen mit einem Jahreshaushalt von gerade mal 6000€ ein umfangreiches Programm, welches in weiten Teilen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich ist. Es leistet Beratung, bietet Unterstützung bei thematischen wissenschaftlichen Arbeiten und stellt eine Bibliothek zur Verfügung, macht Antidiskriminierungsarbeit und ist basisdemokratisch organisiert.

Man kann der LHG bestenfalls Inkompetenz und schlimmstenfalls homophobe Agitation und gezielte Falschinformation vorwerfen. Für sie ist ein „AStA für Alle“ eine AStA ohne emanzipatorische Minderheitenpolitik.

Auch auf der Liste der LHG steht ein Korporierter. Dieser entstammt dem Verein Deutscher Studenten, einer Struktur, deren Gründung durch Antisemitismus angestoßen wurde.

Mit diesen Gruppen ist der Weg in die extreme Rechte schon längst geebnet.

Darum rufen wir alle Student*innen auf: solidarisiert euch mit den autonomen Referaten, informiert euch über die anstehenden Hochschulwahlen und wählt Listen, die die autonomen Referate unterstützen und sich gegen die rückwärtsgewandte Politik von RCDS und LHG stellen. Für eine Hochschule an der wir uns alle wohl fühlen können und nicht Einzelne meinen, alle zu sein.

Für eine solidarische Gesellschaft! Für mehr Freiräume! Für mehr Sichtbarkeit von Frauen* und Minderheiten! Gegen jede Form der Diskriminierung!

Autonomes Schwulenreferat im AStA Marburg.

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 Wir sind noch lange nicht fertig – Statement und Forderungen des Autonomen Schwulenreferates im AStA Marburg 

Das Autonome Schwulenreferat ist die unabhängige Selbstvertretung schwuler und bisexueller Studenten an der Philipps-Universität Marburg und setzt sich als solche für eine diskriminierungsfreie Universität und eine diskriminierungsfreie Gesellschaft ein. Das Autonome Schwulenreferat sieht sich in der Tradition der zweiten Schwulenbewegung in Deutschland und steht daher für eine solidarische Politik und eine Gesellschaft in der wir „angstfrei verschieden sein“ können.  Weiterlesen

Mitgliederversammlung am Tag der Befreiung!

Liebe Alle*,

mit der heutigen Mitgliedervollversammlung haben wir eine neue Satzung und ein Selbstverständnis verabschiedet. Ich möchte allen Mitgliedern der heutigen Mitgliedervollversammlung für die fruchtbaren Debatten, die konstruktive Kritik und den in Selbstverständnis und Satzung ausgedrückten fortschrittlichen Anspruch an eine emanzipatorische Politik danken.

Tag der Befreiung. Ein Grund zum Feiern!

In diesem Beitrag findet ihr das geschwärzte Protokoll der MVV:

Protokoll der Mitgliedervollversammlung des Autonomen Schwulenreferates im AStA Marburg im Sommersemester 2017

In diesem Beitrag findet ihr unser Selbstverständnis:

Selbstverständnis des Autonomen Schwulenreferates im AStA Marburg

In diesem Beitrag findet ihr unsere neue Satzung:

Satzung ASR (Stand: 8. Mai 2017)

Solidarische Grüße,

Tarek.

Semesterglück!

Pünktlich zum Semesterbeginn sind wir stolz darauf, euch das nagelneue Semesterprogramm zu präsentieren. Ab der nächsten Woche auch überall als Flyer und Poster, bekommt ihr das Kunstwerk von Marcel Louis hier schon jetzt zu Gesicht.

Das letzte Semester war spannend und für uns ein Semester des Aufbaus. Wir haben daran gearbeitet, unsere Strukturen zu demokratisieren und Hierarchien abzubauen. Wir haben ein Plenum aufgebaut, in dem gemeinsam über wichtige Entscheidungen und uns bewegende Themen gesprochen wird. Wir haben daran gearbeitet, Diskriminierungen auch innerhalb unserer Strukturen abzubauen.

Vor allem freuen wir uns daher jetzt darüber, diese Projekte auch im kommenden Semester gezielt weiter vorantreiben zu können. Das euch vorliegende Semesterprogramm für Frühjahr und Sommer 2017 ist auch ein sichtbares Ergebnis gemeinsamer Diskussionen in einem demokratischen Tuntenplenum.

Vieles an unserem Programm und der Werbung ist neu. Wir wollen mit dem Layout ein Zeichen für die beginnende neue Ära setzen und betonen das mit dem deutlichen Statement:

Das Autonome Schwulenreferat ist kein Raum für Rassismus, Homophobie, Sexismus, Trans*phobie oder andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

Wir haben uns dafür entschieden, im Sommersemester keinen Sektempfang anzubieten weil wir damit mehr Raum für Treffen des noch jungen Plenums schaffen können. Wir wollen in Zukunft mehr inhaltlich arbeiten und die Möglichkeit haben, uns in mehr Kontexten aktivistisch zu betätigen. Sektempfang ist für uns das, was passiert, wenn Menschen zusammenkommen und sich miteinander wohl fühlen, lachen und streiten können und dabei auch Sch-Sch-Schaumwein fließt. Das können wir auch ohne Programmerwähnung und lassen den offenen Platz lieber für inhaltliche Auseinandersetzungen.

In diesem Semester geht es verstärkt um zwei Themen:

Das eine Thema ist das Leben und Erleben schwuler Sexualität. Die Aktivisten der bundesweit einzig sichtbaren Gruppe, die sich öffentlich für die Nutzbarmachung der Prä-Expositionsprophylaxe in der HIV-Prävention einsetzt, die lovelazers, leiten deshalb das Semester ein. Bitte nehmt Rücksicht darauf, dass die Veranstaltung „Schwule ficken ohne Gummi“ sich nur an Schwule und bisexuelle Männlichkeit_en richtet. Es soll die Möglichkeit sein, in einem geschützten Rahmen über Sexualität und Prävention zu sprechen. Bei der Veranstaltung „Dora liest dirty“ wird schwuler Sex verbal. Dora Dyna’Maid liest schwule Fanfiction von A wie Harry Potter bis Z wie Faust und Justin Bieber. Wer ebenfalls etwas vorlesen möchte, kann das via Mail an schwulenreferat(ÄTT)asta(bindestrich)marburg(Punkt)de anmelden! Schamlos für eine schambefreite und selbstbestimmte schwule Lust.

Das andere Thema ist eines, das nicht nur in den Communities zur Zeit besonders brisant und präsent ist. Wie gehen wir mit Rechtspopulismus in unserer Mitte um, und was bedeutet es auch für uns, emanzipatorische Kämpfe zu führen? Jan Schnorrenberg  hält dazu den Vortrag „Rechter Backlash aus der Community. Rechte LSBT*I, schwuler Rechtspopulismus und seine Verschwörungstheorien“. Es geht uns jedoch nicht nur um die Frage, wovon wir uns abgrenzen möchten, sondern auch darum, welcher Raum wir sein wollen und an welche Erzählung wir anknüpfen möchten. Der Frankfurter Schriftsteller und Buchautor Jannis Plastargias wird deshalb aus seinem Buch „RotZSchwul. Der Beginn einer Bewegung“ lesen. Das Buch historisiert die Errungenschaften der revolutionären linken Schwulenbewegung „Rote Zelle Schwul (RotZSchwul)“ in Frankfurt am Main in der ersten Hälfte der 70er Jahre. Zu guter Letzt möchten wir das Semester mit einem Drag-Workshop abschließen. Tunten, Drag-Queens, Drag-Kings und die, die es werden wollen, sind dazu eingeladen kurz vor dem Klausurenstress in gelöster Atmosphäre den Griff in die Schminkkiste und zum Minirock zu tun.

Mitgliederversammlung am Tag der Befreiung? Demokratie ist wichtig, finden wir. Deshalb das Datum!

Wer sich einbringen will, kann das nicht nur am Stand zum Internationalen Tag gegen Homo- und Trans*phobie tun. Auch das Plenum steht für alle offen, die Lust haben, ihre Energie in ein Projekt zu stecken in dem es um Sex, Punk und Politik geht. Und weil aller Anfang manchmal schwer ist, gibt es den Ersti-Abend am Ostermontag.

Wir freuen uns auf euch!

Das Referatsplenum und der Referent.

Ach ja, das Programm:

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