Sprechzeiten ab Juli 2020

Trotz Corona sind wir ab Juli wieder in Präsenz-Sprechstunden im AStA (neben der Mensa) für euch da. Zum Infektionsschutz ist im AStA eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen.

Für Fragen, sowie bei Beratungs- und Unterstützungsbedarf stehen unsere Referenten zu den offenen Sprechstunden zur Verfügung:

Dienstags  16 – 18 Uhr

Donnerstags 14 – 16 Uhr

und nach Vereinbarung.

Wenn ihr auf der Suche nach Büchern, Zeitschriften und sonstiger schwuler und queerer Literatur seid, steht euch die AG Bibliothek in einer gesonderten Sprechstunde zur Verfügung:

Dienstag 10 – 14 Uhr.

Verschiebung der Bibliothekslesung

Liebe Alle*,

Aus Solidarität mit den gerade in den USA stattfindenden Riots und Protesten gegen Rassismus und rassistische Polizeigewalt, welche durch die Ermordung George Floyds durch einen Polizisten ausgelöst wurden, haben wir uns dazu entschlossen, die ursprünglich für heute Abend geplante Lesung der AG Bibliothek zu verschieben. Stattdessen möchten wir gerne auf den Vortrag „Schwarze Frauen und die Frage der Macht“ von Dr. Denise Bergold-Caldwell & Eleonore Wiedenroth-Coulibaly verweisen, der heute um 20 Uhr im Rahmen der Ringvorlesung des Zentrums für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung stattfindet. #BlackLivesMatter #NoJusticeNoPeace #GeorgeFloyd

https://www.uni-marburg.de/de/genderzukunft/aktuelles/termine/interdisziplinaere-ringvorlesung-im-sommersemester-2020/schwarze-frauen-und-die-frage-der-macht

Die Lesung wird dafür am 08.06. um 20 Uhr stattfinden.

Bevorstehende Veranstaltungen: Lesung der AG Bib und Schminken&Trinken

Liebe Alle*,

wir haben zwei weitere Veranstaltungen für euch geplant: Eine Lesung sowie ein weiteres Online Schminken&Trinken als Alternative zu einem Barabend. Die Infos findet ihr* nachfolgend.

03.06., 20 Uhr: Seltsames aus dem Schwulenreferat – Die Trash Lesung der AG Bibliothek. Neuer Termin: 08.06., 20 Uhr.
Die AG Bibliothek bringt euch das kurioseste, befremdlichste, bizarrste und absonderlichste aus 30 Jahren Schwulenreferatssammlung. Die beiden Referatstunten Iwank’a Dump und Marietta Spritz-Träumschüssel haben für euch die alten Magazine entstaubt, einmal feucht durchgewischt und kiloweise Kontaktanzeigen, Ratgeberinnen, Kochbücher und Prospekte jeglicher Art gewälzt, um euch die Perlen aus der Mottenkisten zu kredenzen. Sie sorgen mit einem prickelnden und sektdurchtränkten Mix aus Nachrichten, Werbung, Wissenschaft und Astrologie für ein spritziges Erlebnis. Also lasst euch ein Schaumbad ein, stellt den Sekt kalt und startet am Mittwoch den 03.06. um 20:00 den Livestream auf dem Youtube-Kanal des Autonomen Schwulenreferats. Stösschen.
Die Veranstaltung wird hier gestreamt werden: https://www.youtube.com/watch?v=Ejt3QAZ2Vic

06.06., 21 Uhr: Online Schminken&Trinken.
Aufgrund der aktuellen Corona-Lage ist es uns leider derzeit nicht möglich, euch zu einem Sektempfang in unser Referat oder zu Kneipenabenden einzuladen. Daher müssen wir nun versuchen, uns online Community-Räume zu erschließen und laden euch am Samstag, den 06.06. zu einem Online „Schminken und Trinken“ via Videokonferenz ein.
Die Veranstaltung soll schwulen und queeren Personen aus der Region die Gelegenheit bieten, sich in Zeiten, in denen Community-Räume geschlossen bleiben müssen, dennoch in entspannter Atmosphäre bei dem einen oder anderen Getränk auszutauschen (und sich dabei vielleicht auch zu schminken und in extravagante Outfits zu werfen). Lasst uns – gerade in der aktuellen Situation – einen Abend lang in Glitzer gehüllt alle überkommenen Geschlechterrollen vergessen!
Bei unserer Veranstaltung sind alle LGBT*IQ-People und deren Freund*innen willkommen!
Wenn Du dabei sein möchtest, schicke uns bitte einfach eine Nachricht hier auf Facebook, per Mail an schwulenreferat[at]asta-marburg.de oder via Instagram (@homolobby_marburg), dann bekommst Du von uns kurz vor Beginn den Link zur Videokonferenz.

Wir freuen uns auch Euch!

Dora liest Dirty – am 30.05.20 online!

Die Veranstaltung wird am 30.05. um 21 Uhr online auf YouTube gestreamt: youtu.be/wNjISQpp9lk

Fanfiction!

Draco Malfoy verirrt sich in die Gryffindor-Gemeinschaftsräume und Faust trifft Mephisto in Bockenheim auf der Klappe während Justin Bieber sich von Olando Bloom schon ganz erfüllt fühlt. Dora Dyna’Maid taucht ein in die magische Welt der Fanfiction. Geschichten, Gedichte und visuelles Material aus den Tiefen des Internets mit einigen lyrischen Höhepunkten wird dir direkt in dein Wohnzimmer geliefert.

*mit #readityouselforgasmus*

Auf den Tag genau drei Jahre nach ihrem Debut tritt Dora Dyna’Maid (ranzig aber schön) erneut mit ihrem schwülstig-wülstig-erotischen Leseprogramm im Autonomen Schwulenreferat im AStA Marburg auf. Dieses Mal live gestreamt direkt in dein Wohnzimmer. Mach es dir gemütlich mit einem Kakao mit Rum und Plätzchen, wir wissen du willst das auch im Frühsommer!

Schwules Semesterprogramm in Zeiten des Corona-Virus

Ihr Lieben,

uns hat das Corona-Virus und die absolut notwendigen Einschränkungen des öffentlichen Lebens natürlich auch einen fetten Strich durch unser geplantes Semesterprogramm gemacht. Wir hätten euch sehr gerne zu einem Sektempfang im Referat getroffen oder uns bei Vorträgen mit euch ausgetauscht. Nahezu alles, was uns in den üblichen Semestern so viel Freude bereitet ist gerade einfach nicht möglich. Trotzdem freuen wir uns, dass wir in den nächsten Wochen wenigstens ein paar Veranstaltungen online durchführen werden!

Als erstes haben wir einen Ersti-Kennlernabend geplant, der schon am kommenden Montag, am 11.05.2020 um 20 Uhr beginnen soll. Wenn Ihr Lust auf schwule* Szene habt und wissen wollt, wer wir sind und was wir tun, dann schreibt uns einfach eine Mail, facebook- oder instagram-Nachricht. Wir senden euch dann einen Link zu einem Videocall, damit wir uns kennenlernen können!

Am Freitag, den 15.05., wollen wir ein Online-Schminken&Trinken veranstalten. Dei Veranstaltung soll schwulen und queeren Personen aus der Region die Gelegenheit bieten, sich in Zeiten, in denen die Community-Räume geschlossen bleiben müssen, dennoch in entspannter Atmosphäre bei dem einen oder anderen Getränk auszutauschen (und sich dabei vielleicht auch zu schminken und sich in extravagante Outfits zu werfen!) Lasst uns – gerade in der aktuellen Situation – einen Abend lang in Glitzer gehüllt alle überkommenen Geschlechterrollen vergessen!

Für die darauffolgenden Wochen arbeiten wir gerade an möglichen anderen coolen Formaten. Bleibt gespannt!

Wir haben übrigens weiterhin montags um 18 Uhr ct unser Plenum, dies wird allerdings bis auf weiteres ausschließlich online stattfinden. Für eine mögliche Teilnahme am Plenum, schreibt uns auch bitte eine Mail!

Für alle Anfragen bzw. Anliegen: Die Sprechstunde der Referent*innen wird wie bisher Montags von 16-18 Uhr angeboten. In dieser Zeit sind wir für euch nach kurzer Absprache per Mail oder bei facebook/instagram bereit für video-calls etc.

Die Sprechstunden für die schwule Bibliothek müssen bis auf weiteres leider ausfallen!

Hoffentlich sehen wir uns alle möglichst bald gesund und glücklich wieder! Stay safe, stay proudly queer! Bis Bald!

Antimuslimischem Rassismus keine Bühne bieten: Gegen Dr. Susanne Schröters Vortrag zum „Politischen Islam“ an der Philipps-Universität Marburg

Statement im PDF-Format

Am 05. Februar 2020 veranstaltet das Fachgebiet Religionswissenschaft und die Religionskundliche Sammlung einen Vortrag mit dem Titel „Politischer Islam. Stresstest für Deutschland“ in der Universitätsbibliothek Marburg. Referentin ist Prof. Dr. Susanne Schröter. Weiterlesen

Einladung zur Mitgliederversammlung im Sommersemester 2019

Liebe Mitglieder des Autonomen Schwulenreferates im AStA Marburg,

hiermit laden wir euch zur ordentlichen Mitgliedervollversammlung im Sommersemester 2019 ein.

Die Sitzung findet am 17. Juni 2019 um 20:00 Uhr im Raum des Autonomen Schwulenreferates (Raum 1, AStA Marburg, Erlenring 5, 35037 Marburg) statt.

Zur ordentlichen Teilnahme ist das Mitbringen eines gültigen Student*innenausweises oder einer aktuellen Studienbescheinigung sowie eines gültigen Ausweisdokumentes erforderlich.

Es wird um Pünktlichkeit gebeten.

Die formale Einladung befindet sich hier als PDF.

Vorläufige Tagesordnung
TOP 1 – Begrüßung und Formalia
TOP 2 – Berichte
                  Gemeinsamer Bericht der Referenten
                  Gemeinsamer Bericht des Plenums
TOP 3 – Inhaltliche Anträge
TOP 4 – Verschiedenes

Die Mitgliedervollversammlung endet voraussichtlich um 22:00 Uhr (st).

Mit freundlichen Grüßen,
David Lewandowski und Tarek Shukrallah.

Unter den Proleten gibt es nicht nur Heten! – queerer Demoaufruf zum 1. Mai 2019

Jedes Jahr zum „Internationalen Tag der Arbeit“ am 1. Mai folgen zigtausende Menschen dem Aufruf der Gewerkschaften auf die Straßen – und das ist gut so! Sie demonstrieren für verschiedene, völlig berechtigte Forderungen wie bessere Arbeitsbedingungen, Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern oder höhere Löhne, um prekäre Lebensverhältnisse zu beenden.

Wenn allerdings von den Gewerkschaften die soziale Frage gestellt wird, werden queere Perspektiven nicht bedacht. Gewerkschaftsmitglieder*innen sind in ihrer großen Masse männlich, weiß, heterosexuell und cis[1] – und das ist die prägende Perspektive gewerkschaftlicher Arbeit. Soziale Ungleichheit betrifft Frauen, People of Colour, homo- und bisexuelle Menschen sowie Transpersonen aber immer untrennbar verwoben mit Sexismus, Rassismus sowie Homo- und Transfeindlichkeit. Werden unsere Erfahrungen nicht gehört, bleiben Dimensionen sozialer Ungleichheit unsichtbar: der drohenden Jobverlust beim Outing, Diskriminierung bei der Arbeitssuche oder dass ein linearer Lebenslauf für Menschen in Selbstfindungsprozessen jenseits der gesellschaftlichen Norm unmöglich ist. Dies alles sorgt für Brüche in der Biografie, die die Betroffenen vor Herausforderungen stellt, die von gewerkschaftlicher Seite bisher keine Beachtung finden. Aktiven Gewerkschafter*innen, die darauf z.B. in queeren/LGBTIQ-Arbeitskreisen hinweisen und versuchen, einen Paradigmenwechsel herbeizuführen, möchten wir unsere Solidarität aussprechen! Wir brauchen mehr davon – auf regionaler, Landes- und Bundesebene!

Arbeitskämpfe sind immer gleichzeitig Umverteilungskämpfe als auch Kämpfe um Selbstbestimmung. Wem gehört unsere Arbeit? Unsere Zeit? Und wer entscheidet darüber? Damit wir gemeinsam handlungsfähig sind und uns (zurück)holen können, was uns gehört, müssen wir all unsere Kämpfe anerkennen – vor allem Kämpfe von Frauen*, Queers und People of Colour, nicht nur von weißen, heterosexuellen cis-Männern. Kapitalistische Ausbeutung verläuft entlang rassistischer, sexistischer, homo- und transfeindlicher Spaltungen. Wir können Kapitalismus nur ernsthaft bekämpfen, wenn wir Klassen- und Antidiskriminierungspolitik nicht künstlich voneinander trennen und gegeneinander ausspielen.

Doch ein kleiner Blick in die Geschichte der Gewerkschaften und der LGBTQ*IA-Bewegung lohnt. So spielten für den Ausbruch der Stonewall-Unruhen, die sich 2019 zum 50. Mal jähren, nicht nur Rassismus, Homo- und Transfeindlichkeit eine Rolle, sondern auch die ökonomische Lage der Aktivist*innen. Auch darf nicht vergessen werden, dass es Lesben und Schwule waren, die in den 80er-Jahren im Rahmen von LGSM die englischen Gewerkschaften in den Bergarbeiterstreiks unterstützten. Gehen wir endlich weitere Schritte auf dem Weg zu einer queeren Klassenpolitik!

Wir fordern von den Gewerkschaften, dass der Lohnunterschied zwischen zwischen homo- und heterosexuellen Menschen mehr Aufmerksamkeit bekommt und bekämpft wird. Bei Männern liegt der im Augenblick zwischen 2,14 und 2,64€/Stunde. Im Falle von Trans- und Inter-Personen ist dieses Feld noch gar nicht erforscht. Auch in der amtlichen Sozialberichterstattung spielen solche Probleme keine Rolle![2]

Ebenfalls komplett unbeachtet bleiben dann die aus der Diskriminierung folgenden Rentenausfälle und Altersarmut. Dies gilt insbesondere für Menschen, die wegen einer Verurteilung wegen §175 jahrelang keine Arbeit gefunden haben und deswegen heute in Armut leben.[3]

Gewerkschaften sind dafür da, Prekarisierung zu benennen und diese zu bekämpfen. Die Arbeit der Gewerkschaften hört allerdings bisher immer an den Betriebstoren auf. Dabei müsste man, um den ganzen Menschen gegen kapitalistische Ausbeutung zu verteidigen, auch den ganzen Menschen gewerkschaftlich organisieren, nicht nur seine*ihre Arbeitskraft. Sonstige mögliche Lebensphasen (Orientierungs-, Bildungs-, Erziehungs- oder Arbeitslosigkeitsphasen) werden von den Gewerkschaften nicht beachtet. Auch soziale Orte außerhalb des Betriebes wie Stadtteilzentren und Beratungsstellen scheinen für gewerkschaftliche Arbeit keine Rolle zu spielen.

Deswegen rufen auch wir dazu auf, am 1. Mai die Straßen zu fluten. Zeigen wir, dass es uns auch gibt, auch wenn wir totgeschwiegen werden. Zeigen wir, dass dies auch unser Kampf ist, auch wenn niemand in Sonntagsreden über unsere Probleme spricht. Lasst uns laut sein, lasst uns bunt sein, und zeigen wir ganz deutlich: Unter den Proleten gibt es nicht nur Heten!

 

 

[1] Cis sein bedeutet, sich mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht zu identifizieren. Das Gegenteil von cis ist trans.

[2] DIW Wochenbericht Nr. 37 2017 <https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.563767.de/17-35-3.pdf&gt;

[3] http://www.taz.de/!5580579/

Unvordenklicher Saft. Zum Sinn von Sexualität. Vortrag von Dr. Dr. Stefan Nagel

Montag, 26. November 2018, 20:00 Uhr
Hörsaalgebäude Biegenstraße, Raum +1/0030

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Der Vortrag fragt nach dem Sinn von Sexualität jenseits ihrer biologischen und sozialen Funktionen. Mit dieser Frage nach dem Sinn bewegt er sich, ohne dessen epistemischen Gehalt preiszugeben, außerhalb des naturwissenschaftlichen und auch bestimmter Formen des psychologischen und sozialwissenschaftlichen Denkens. Diesem Denken ist gemeinsam, dass in ihm Sinn und Funktion zusammenfallen oder aber Sinn für eine sinnlose Kategorie gehalten wird. Ohne die Gefahr der Etablierung einer ‚Metaphysik‘ der Sexualität zu verkennen, soll eine Analogie zum Verständnis des Problems beitragen: Die Funktion des Bauens ist die Errichtung eines Hauses, der Sinn des Bauens jenseits dieser Funktion jedoch das Wohnen. Wohnen meint als Zuhause-Sein an einem an sich fremden und womöglich sogar feindlichen Ort mehr, als sich lediglich dauerhaft in einem Haus zu bergen, meint nicht nur Behaust-Sein, es meint eine Veränderung des Zustands des Bewohners, nämlich die Überwindung von Fremdheit und den Übergang in Vertraut- und Verbundenheit, meint die Entstehung von Heimat. Übertragen auf Sexualität behauptet der Vortrag, dass der Sinn von Sexualität darin liegt, die unaufhebbare Fremdheit und Feindlichkeit eines differenten Begehrens und einer differenten Identität in Nähe zu verwandeln, in Beiwohnen. Diese Aufhebung von Differenz durch eine, wenn auch flüchtige Komplementarität des Begehrens und der Identität ist jedoch kein bloß mentales, also letztlich symbolisches Ereignis im Rahmen bestimmter Bedeutungszuweisungen, sondern ein distinkter leiblicher Akt, in dem der Leib mehr ist als die vermeintliche oder tatsächliche Epiphanie eines Symbols. Der Leib ist, er steht nicht für etwas. Das Begehren in all seiner Intensität begehrt kein (System von) Zeichen, sondern einen anderen Leib, und zwar nicht irgendeinen Leib, sondern einen geschlechtlich bestimmten und seinerseits begehrenden Leib, mit dem sich etwas Bestimmtes ereignen soll. Dabei geht es nicht um eine außerhalb der Sexualität liegende Funktion, also um Sexualität als Mittel, sondern um erfüllte Nähe um ihrer selbst willen. Dann fließt unvordenklicher Saft.

Dadurch bietet sich in der Sexualität im Gegensatz zu allen unseren sonstigen Beziehungen eine konkret und eben nicht bloß abstrakt mögliche Emanzipation aus den Banden der Natur und der Gesellschaft, die den Leib beide als Mittel zu ihren fertilen und sonstigen Zwecken verwenden und mit Begehren und Identität eine ‚natürliche‘ oder (vermeintlich daraus ableitbare) soziale Rolle und Beziehung verknüpfen. Diese emanzipatorische Option der Sexualität besteht jedoch nicht ihrer Herkunft nach, also nicht in Bezug auf Begehren und Identität. Hier bleibt Sexualität nicht nur beschränkt und absolut unfrei, sondern gründet sogar in der Bestimmtheit des Begehrens und der Identität, also ihrer Beschränktheit. Der Moment der Freiheit liegt im Selbstzweck des begehrlichen Berührens des und Berührtwerdens durch den zuvor fremden und feindlichen Anderen. Nur in der Kunst ist eine vergleichbare Begegnung möglich, aber dort nicht als sinnlich-unmittelbarer, sondern als sinnlich-mittelbarer Akt, also ohne Saft.

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Stefan Nagel, geboren 1957 in Krefeld, studierte neben Medizin auch Philosophie und Germanistik. Nach Staatsexamen und Promotion arbeitete er als Assistenzarzt in der Anästhesie und Intensivmedizin sowie in der Psychosomatik. Im Rahmen letzterer Tätigkeit erwarb er die Zusatzbezeichnungen Psychotherapie, Psychoanalyse und Sozialmedizin sowie den Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Außerdem war er vorübergehend als Dozent für Neuere Deutscher Philologie tätig. Nach langjähriger Tätigkeit in eigener Praxis kehrte er schließlich in die stationäre Psychosomatik zurück und leitet zur Zeit eine Abteilung für Psychosomatik in einer Rehabilitationsklinik. Wissenschaftlich beschäftigt er sich unter anderem mit theoretischen, ethischen, medizinischen, psychologischen und gesellschaftlichen Aspekten von Sexualität.

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Dr. Dr. Stefan Nagel (Bild: Herzenslust NRW)