Hallo Homo! Rück- und Ausblicke zwischen den Semestern

Liebe Freund*innen,

das Haushaltsjahr 2016/2017 neigt sich dem Ende zu, und so kommt es, dass wir euch zu einem Blick in unser neues Programm zum kommenden Wintersemester 2017/2018 einladen wollen. Doch bevor wir den Blick in die Zukunft richten, möchte ich noch einmal kurz das letzte Jahr rekapitulieren.

Das Haushaltsjahr 2016/2017, und mit ihm die Referatslegislatur, war ein bewegendes. Nachdem der Mitgliederversammlung zum Beginn der Legislaturperiode haben wir in nur wenigen Monaten geschafft, das Autonome Schwulenreferat wieder zu einer echten Vertretungsinstitution der Schwulen und männlichen* bisexuellen Studierenden zu machen.

Dazu haben wir zunächst ein Plenum aufgebaut. Im schwulen Plenum treffen sich regelmäßig Nutzer* des Referates, die die Arbeit der Institution mitgestalten. In gemeinschaftlicher Arbeit wurde eine politische Programmatik entwickelt, deren Ergebnisse in unserem Selbstverständnis und in unserer Satzung festgeschrieben worden sind.

Zu diesen Errungenschaften gehört der entschiedene Ausspruch:

„Wir stehen in der Tradition emanzipatorischer Kämpfe der Schwulenbewegung in Deutschland und sehen unsere Auseinandersetzungen im Spiegel gesamtgesellschaftlicher Konflikte um Anerkennung und gegen geltende Herrschaftsverhältnisse.

Rassismus, Trans*feindlichkeit, Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit, Antisemitismus, Nationalismus, Diskriminierungen gegenüber Frauen, Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit haben bei uns keinen Platz.“

Wir haben im Laufe dieser Legislaturperiode einige sehr besondere Begegnungen erleben dürfen. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, und unseren Gastreferent*innen des vergangenen Jahres aus vollem Herzen danken.

Ich möchte auch unseren großartigen Besucher*innen, Nutzer*innen, Gästen und Unterstützer*innen danken. Gemeinsam haben wir die „große Verschwulung“ in Marburg und darüber hinaus auf eine wirklich bezaubernde Weise vorangetrieben. Dabei denke ich etwa an das erstmalige Stattfinden des Internationalen Tages gegen Homo- und Trans*feindlichkeit am 17. Mai 2017 in Marburg als umfänglichen Aktionstag, aber auch an Veranstaltungen wie den Drag-Workshop, oder die erste „TUNTASTIC. Solidarisch tanzen.“ Welch zauberhafte Abende! Wir können womöglich mit Fug und Recht behaupten, Marburg die Tunte wieder zurückgegeben zu haben.

Bevor ich mich jedoch vollends in liebevoller Prosa verliere und in Erinnerungen an das vergangene Jahr schwelge, möchte ich noch einen letzten Dank an das schwule Plenum richten. In nur wenigen Monaten hat sich eine stabile Struktur entwickelt, in der sehr verschiedene Menschen regelmäßig zusammenfinden, um gemeinsam eine würdevolle Homolobby in der Region Marburg möglich zu machen. Diese neue Art zu arbeiten ist äußerst produktiv und sehr spaßbringend. Ich will daher dazu ermutigen, sich bei uns einzubringen! Das schwule Plenum trifft sich immer an veranstaltungsfreien Montagen um 18:00 Uhr im Autonomen Schwulenreferat.

Zum Semesterprogramm und Planungen zum Haushaltsjahr 2017/2018

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Wie bereits erwähnt wird auch im

kommenden Haushaltsjahr das Plenum von zentraler Bedeutung im Referat sein. Zu diesem Zweck ist eine Klausurtagung in das Bootshaus am Edersee zum Dezemberbeginn geplant. Wir wollen das Wochenende dazu nutzen, unsere Arbeit noch bunter, noch produktiver und noch politischer zu machen.

Um die externe Ansprechbarkeit des Referates zu erhöhen, wird es in diesem Jahr Sprechstunden an zwei Vormittagen geben. Diese sind, im Wintersemester, Dienstags

von 12-14 Uhr und Donnerstags von 10-12 Uhr.

Neben unseren niedrigschwellig konzipierten Veranstaltungen in Wohnzimmeratmosphäre haben wir im Wintersemester 2017/2018 fünf größere Veranstaltungen geplant. Dabei oszilliert das Tuntische scheinbar in der Gesamtheit der Veranstaltungen.

Ich freue mich besonders, dass wir in diesem Semester eine zweitägige Veranstaltung zu einem ganz außerordentlichen Thema haben. Der Workshop „VOGUE! STRIKE A POSE! Unsere Bewegung fängt mit Bewegung an.“ Lädt dazu ein das subversive Tanzen der vornehmlich schwarzen/P.O.C.-Drag-Queens zu erlernen. Dazu haben wir Mother Leo Melody gewinnen können. Leo Melody ist Mother of House des House of Melody, eine bekannte Tänzerin und Organisatorin des Festivals BERLIN VOGUING OUT. Zu dieser Veranstaltung kooperieren wir mit der DGB-Jugend Mittelhessen

Im Sinne schöner Künste freuen wir uns im kommenden Semester auch auf den Vortrag Maria Weilandts. Die Mitherausgeberin des Bandes „Ist Mode Queer?“ präsentiert uns Ende Januar ihren Vortrag „Über Normen und Normbrüche. Intersektionalität und Queerness in der Mode“.

Es freut mich, dass in diesem Semester so viel referatsinterne Expertise vorhanden ist, dass ich gleich zwei Veranstaltungen ankündigen darf, deren Referenten unser Referat nun schon eine Weile begleiten. Alexander Henß wird uns mit „The Gay in Games. Die Repräsentation schwuler Figuren und Lebenswelten in Videospielen“ in Spielewelten einführen, und dazu auch eine kleine Selbsterfahrung anmoderieren. Jascha Kleiser skizziert am Beispiel von „The Convent of Pleasure“, wie Crossdressing und Geschlechterpolitiken in der Literaturwissenschaft diskursiviert werden (können).

Anlässlich des diesjährigen Welt-AIDS-Tages ist es uns gelungen, erneut eine Kooperation mit dem Gleichberechtigungsreferat der Stadt Marburg und der AIDS-Hilfe Marburg e.V. einzugehen. Ich bin stolz euch zum Vortrag „Zwischen Trauerflor und Federboa. Das große Sterben schwuler Männer und drogengebrauchender Menschen um 1990.“ mit dem wohl bekanntesten Schwulenaktivisten der Region, Bernd Aretz, einladen zu können. Bernd Aretz ist Träger des Medienpreises der Deutschen AIDS-Stiftung, Ehrenmitglied der Deutschen AIDS-Hilfe e.V. und ehemaliges Mitglied des Nationalen AIDS-Beirates. Die Veranstaltung findet im Historischen Rathaussaal der Stadt Marburg statt.

Völlig neu ist unsere Kooperation mit dem Traumakino-Kollektiv, einer Gruppe des Traumas im G-Werk. Unter dem Titel „Traumakino-Tunten-Takeover“ möchten wir euch zu vier Abenden tuntischer Hochkultur einladen. Zu einem Gläschen Sekt möchten wir vier besondere Filme schwuler Bewegungsgeschichte sehen und diskutieren. Selbstverständlich moderiert und organisiert durch die Tunten des Schwulenreferates. Wir zeigen in diesem Semester: „THE ROCKY HORROR PICTURE SHOW“, „Querelle“ (Rainer Werner Fassbinders letztes Werk), Pink Flamingos (mit der US-Amerikanischen Drag-Queen DIVINE), und den Arthouse Film „Pink Narcissus“.

In diesem Sinne freue ich mich viele von euch zu der einen oder anderen Veranstaltung zu treffen und bereichernde Abende erleben zu dürfen.

Mit solidarischen Grüßen,

Tarek Shukrallah
Referent

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